Therapieoptionen bei schmerzhaften Neuropathien, schmerzhaften Querschnittssyndromen und zentralen Schmerzen in der Praxis – Stefan Quasthoff

Auf einen Blick:

  • Nach dem Schlaganfall sind die Neuropathien die zweithäufigste neurologische Erkrankung die zu Behinderung, Schmerzen und Tod führen können.

  • Ca. 50 % der Polyneuropathien sind schmerzhaft.

  • Neuropathische Schmerzen sind die direkte Folge einer Schädigung oder Erkrankung somatosensorischer Nervenstrukturen im peripheren und/oder im zentralen Nervensystem. Ziel der Diagnostik ist der Nachweis einer solchen Schädigung.

  • Neuropathische Schmerzen können verlässlich durch validierte Fragebögen (DN4 und painDetect) diagnostiziert werden.

  • Bei Verdacht auf eine small fiber Neuropathie (SFN) sind die quantitativ sensorische Testung (QST) und die Hautbiopsie wichtige diagnostische Möglichkeiten, um eine SFN nachweisen zu können.

  • Die Prävalenz für Schmerzen nach einem Querschnittstrauma liegt bei ca. 74%.

  • Es finden sich bei Querschnittstraumapatienten sowohl nozizeptive als auch neuropathische Schmerzen.

  • Ca. 1-3 % der Schlaganfallpatienten entwickeln mit einer zeitlichen Latenz zum Ereignis ein zentrales Schmerzsyndrom – auch Thalamusschmerzsyndrom genannt.

  • Zu den zentralen Schmerzsyndromen gehört auch der Phantomschmerz.

  • Anhand von Fallbeispielen wird die Problematik dieser besonderen Schmerzsyndrome dargestellt.

Therapie peripher und zentral neuropathischer Schmerzen

  • Eine multimodale Schmerztherapie wie bei anderen chronischen Schmerzen ist anzustreben.

  • Lokal wirksame Maßnahmen wie z.B. Lidocain 5%-Pflaster oder Capsaicin 8%-Pflaster sind bei der Therapie überwiegend peripherer neuropathischer Schmerzen wirksam, können jedoch auch als Therapieversuch bei generalisiert neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden.

  • Orale Antidepressiva, Antikonvulsiva und Opioide sind wirksam und als Generika in der grünen Box erhältlich.

  • Gabapentin sollte auf das wirksamere Pregabalin umgestellt werden.

  • Die Kombination von analgetisch wirksamen Substanzen (Morphin, Oxycontin mit Gabapentin) kann wirksamer sein als eine Monotherapie.

  • Die Kombination von Pregabalin und Duloxetin ist nicht wirksamer als eine ausreichende Monotherapie.

  • Zentrale Schmerzsyndrome sprechen nur sehr unzureichend auch Opioide an.

  • Bei zentralen Schmerzsyndromen sollte auch die schmerzverursachende Spastik therapiert werden.

 

→ Profil Ao Univ. Prof. Dr. Quasthoff Stefan