Palliativmedizin: Luftnot, Terminalphase, ethische Fragen am Lebensende - Imke Strohscheer - Fokus Medizin

Palliativmedizin: Luftnot, Terminalphase, ethische Fragen am Lebensende – Imke Strohscheer

Luftnot ist ein häufiges Symptom bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen und beeinträchtigt durch damit verbundene Angst die Lebensqualität erheblich. Nach dem Ausschluss kausaler Therapiemöglichkeiten sind Opioide in niedrigen Dosierungen (2,5 – 5 mg Morphin) die medikamentösen Mittel der ersten Wahl. Supportive nicht-medikamentöse Maßnahmen sind mindestens ebenso wichtig, insbesondere Interventionen zur Angstreduktion und Verbesserung der physikalischen Einschränkungen.

Oftmals stellt sich im medizinischen Kontext die Frage von Gabe von parenteraler Flüssigkeit oder gar Ernährung am Lebensende. Für die Applikation von parenteraler Flüssigkeit in der Terminalphase gibt es in der Regel keine Indikation, allerdings ist dieses Thema für Angehörige emotional sehr belastend und erfordert genaue Kenntnisse und Empathie der behandelnden Ärzte. Es gibt Daten, die den Verzicht auf Flüssigkeitsgabe rechtfertigen und im Gegenteil sogar potentiellen Schaden aufzeigen.

Die Prinzipien der Sterbebegleitung sind inzwischen in einigen Leitlinien festgelegt. Das Anpassen der Schmerztherapie, gute Symptomlinderung, Begleitung der Angehörigen und ‚Comfort-Care‘ sind zentrale Anliegen einer guten Sterbebegleitung. Das medizinische Personal trägt die Verantwortung dafür, wie die letzte Lebenszeit eines absehbar sterbenden Menschen gestaltet sein wird. Trauerbegleitung von Angehörigen ist ein menschliches Anliegen.

Statements

  1. Die größte Angst von Menschen ist es, zu ersticken. Luftnot ist allerdings symptomatisch meist gut zu lindern.
  2. Nach Ausschluss kausaler Möglichkeiten sind Opioide in niedrigen Dosierungen die Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Luftnot.
  3. Für die Gabe von parenteraler Flüssigkeitsgabe am Lebensende gibt es keine Evidenz.
  4. Flüssigkeitsgabe ist emotional sehr besetzt, die Würdigung dieses Phänomens ist unerlässlich.
  5. Sterbebegleitung gehört selbstverständlich zu den Aufgaben medizinischen Personals, es gibt diesbezüglich viele Empfehlungen.
  6. Die Verantwortung für eine gelungene letzte Lebensphase von Menschen liegt hauptsächlich in den Händen der Behandler.